Mittwoch, 1. Dezember 2010

Finger im Widerstand

Bleiern liegen meine rheumatoiden Finger auf der Tastatur – darauf wartend den Befehl zur Orientierung zu erhalten. Den Befehl, genau die Buchstaben zu berühren die in ihrer späteren Anordnung einen Text ergeben. Einen Text der wenigstens vom Ansatz her einen kleinen Sinn ergibt und noch besser, vielleicht sogar noch eine Aussage enthält. Sie sind heute besonders schwerfällig meine Finger. Beinahe schon hat es den Anschein als wollten sie ihrer Aufgabe nicht nachkommen. Sie sind ziemlich eigenwillig in letzter Zeit. Immer öfter verhalten sie sich anders als ich es gerne hätte, tun Dinge ungern oder bei manchem versagen sie vollends ihre Dienste. Heute spüre ich den Widerstand besonders stark.

Ja, es schmerzt - und obwohl ich, bereits betäubt durch diverse Dopamine, meine Synapsen derart beeinflusst habe auf mein Belohnungssystem einzuwirken, noch nicht wirklich die Belohnung spüre der ich an sich gewillt wäre sie als Glück zu empfinden. Glück – ein Zusammenspiel mehrerer chemischer Stoffe, die aus welchem Grund auch immer sich in unseren fleischummantelten Körpern ihr Unwesen treibend verselbständigen und Verbindungen eingehen. Mehr ist Glück nicht. Glück ist nichts weiter als Einbildung. Glück ist allenfalls die Einstiegsdroge überhaupt. Alle wollen permanent glücklich sein, sich stark, schön, unsterblich fühlen. Dafür nehmen sie genau wie andere Junkies nur noch das um sich wahr was ihnen zur Befriedigung ihrer Sucht verhilft. Wie bei fast allen Drogen lässt die Wirkung immer schneller nach und die Abstände nach dem Wunsch auf das Gefühl der Geborgenheit werden immer kürzer und wir spüren das Elend um uns herum plötzlich mit so einer Wucht als würden wir gegen eine graue, steinerbaute, moosbewachsene, feuchte, nach Moder riechende Kellerwand rennen. Wir sind in der Realität!!!

Meine Finger haben sich mit mir arrangiert und sie bewegen sich, zwar nicht genau immer dorthin wo ich es manchmal lieber gehabt hätte beim späteren Überfliegen des Ergebnisses meines kleinen Ausbruchs, aber sie bewegen sich zumindest. Falls ich also mal wieder richtig großen Mist geschrieben habe, der keinerlei Sinn zu ergeben scheint, so liegt das heute nicht an mir, sondern an meinen Fingern, die trotz aller Abneigung doch immer noch meine sind. Einen schönen Tag noch Euch da draußen in euren Kellern…

B.S. (27.7.2008)

Samstag, 27. November 2010

Yuri Lennon's Landing On Alpha 46

Zu schwach für meine Wut

Ich bin zu schwach für meine Wut. Zu schwach um sie gezielt in die Richtung zu lenken wo man ihr Anerkennung schulden müsste und sie vielleicht die Chance hätte auf Gehör zu stoßen und damit etwas bewirken würde – vielleicht bewirken würde. Dem kann ich mich momentan wie ich befürchte nicht stellen. Ich habe meinen Kampfgeist verloren, da ist so vieles was es zu bekämpfen gilt. Dieses Unrecht was immer mehr geschieht um uns und mit uns, diese Wertlosigkeit die man uns unser Selbst glauben lässt zu sein. Hilflosigkeit zerfrisst die stolzesten Herzen und es scheint als würden die Energien entnommen werden um zu testen wie weit wir es zulassen, dass unsere Art anfängt zu Monstern zu mutieren und sich wie solche verhalten um dafür mit Anerkennung und Verdienstorden bedacht zu werden und es als erste Pflicht ansehen die eigene Gattung auszurotten.

Ich alleine bin zu schwach!

B.S. (25.4.2008)

Freitag, 26. November 2010

Tage werden kürzer ..

Die Tage werden kürzer. Früher dauerte es länger bis ein neuer Morgen aufging. Jetzt rennen die Morgen, die Nachmittage und die Nächte an mir vorüber wie ein Film, der zu schnell abgespult wird. Woran liegt es eigentlich, dass der Spruch „Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit.“, den meine Oma immer zu sagen pflegte, so offensichtlich wahr zu sein scheint. Es scheint als würde die Zeit mit uns gemeinsam zerfallen. Hat jeder von uns seine eigene Zeit, die mit ihm durch sein beschissenes Leben geht, ihn begleitet und mit ihm zusammen müde wird und sich beeilt – weil sie endlich aufhören will jeden Tag das gleiche Spiel zu spielen? Oder rennen wir unserer Zeit hinterher weil wir denken, dass sie uns etwas vor enthält? So vieles gibt es da, was wir uns erträumten und darauf warteten dass es sich erfüllt, so viel ungelebtes was noch immer in uns schlummert und endlich Vergangenheit werden möchte. Die Zeit könnte anhalten und auf uns warten – das ist sie uns schuldig. Sie war es schließlich, die all die Jahre so unauffällig neben uns herschlenderte. Jetzt plötzlich scheint sie es eilig zu haben. Jetzt – da wir ihr nicht mehr hinterher rennen können weil unsere Reserven verbraucht sind, hat sie nichts Besseres zu tun als sich auszuklinken.

Mir ist das eigentlich scheißegal – man macht sich halt manchmal so seine Gedanken. Wie bin ich eigentlich darauf gekommen? Ach ja, weil die Tage kürzer werden und weil ich es satt habe dieser Sinnlosigkeit irgendetwas Positives abzugewinnen. Was macht eigentlich überhaupt Sinn? Mir fällt nichts ein. Es scheint eh alles von wem auch immer (wäre schon interessant) geplant zu sein. Warum sonst würden wir uns meistens verhalten wie die größten Arschlöcher? Wir tun immer wieder und wieder genau das was uns schadet. In manchen lichten Momenten erschrecken wir vor uns selber deswegen, und wundern uns, fragen nach dem Grund für diese Sinnlosigkeit. Erschrecken noch mehr – weil es immer offensichtlicher wird, dass es einfach so ist wie es ist und leben damit weiter. Leben – es gibt so viele Leben. Ungezählte, unauffällige, vergessene Leben. Ich kann sie manchmal spüren, kann ihren ausgehauchten, kalten Atem fühlen wenn er wie ein Windstoß über meine Haut fährt und um mich eine angenehme Gänsehaut erschauern lässt. Dann weiß ich, sie sind da und wollen uns an sich erinnern. Sie möchten nicht vergessen sein, so als hätte es sie nie gegeben – als hätten sie nie gelebt, niemals existiert. Ich denke oft an sie. Irgendwann, vielleicht bald – vielleicht erst später, werde ich bei ihnen sein und es wird sein als hätte es mich nie gegeben. Klingt irgendwie auch schon wieder ziemlich sinnlos.

Vielleicht ist auch alles ganz anders und es gibt eine Welt voller Gelebter, die dort ihrer eigentlichen Bestimmung, die sie nur dort und nirgendwo anders sonst erfahren, zugeführt werden. Eine Welt in der es Himmel und Hölle gibt und man sich anstrengt um in den Himmel zu kommen weil es dort angeblich viel angenehmer ist als in der Hölle. Hört sich nicht gut an. Ist nicht viel anders als die Welt vorher. Genau so sinnlos. Sinnlos ist auch, dass ich meine mir noch verbleibende Zeit damit vertrödele um über Sinn und Unsinn nachzudenken, anstatt sie einfach nur zu nutzen und etwas zu tun was mir Spaß macht. Aber es macht Spaß. Viel mehr Spaß als das was ich früher dachte, dass es mir gefällt. Momentan gefällt es mir, alleine vor dem Computer zu sitzen und das, was mir grad durch meinen an sich ziemlich schlicht mit Wissen und Weisheit ausgestattetem Schädel den Weg ins Gehirn suchende etwas festzuhalten und hier mit der Tastatur zu synchronisieren. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Ich geb’s auch besser auf, denn es wäre nicht auszuhalten wenn all das hier öffentlich gemacht wird…

B.S. (14.11.2007)

Sonntag, 21. November 2010

Schicksal..

was ist das eigentlich? Schicksal ist das, was wir gerne dafür verantwortlich machen für das was in unserem Leben passiert. Verantwortlich für Dinge, die geschehen und auf die wir keinen Einfluss haben. Auf den ersten Blick betrachtet zumindest nicht. Bei längerer Überlegung ist Schicksal jedoch nichts anderes als das Ergebnis unserer Entscheidungen. Von Entscheidungen, die unser Leben manchmal von einem Moment auf den anderen in Richtungen laufen lassen, auf Wege mit Stolpersteinen und vielen Fallen die es zu überwinden gibt, und die uns oft vergessen lassen, wieso wir gerade diese Entscheidung gewählt haben. Und wenn wir merken, dass dieser Weg ganz anders verläuft als wir es uns erhofft haben, dann machen wir nicht uns, sondern das Schicksal dafür verantwortlich.

So war es auch damals am 3. Dezember 1988 das Schicksal – oder eben die Entscheidung meiner Schwester, gerade an diesem Tag nach Burgkunstadt zum Einkaufen zu fahren. Sie fuhr, weil sie unserer Mutter, die sich neue Stiefel und eine neue Winterjacke kaufen wollte, eine Freude machen wollte.

Sie fuhren ziemlich früh, so gegen 8.00 Uhr schon los. Es war langer Samstag. Damals bedeutete das, dass die Geschäfte erst um 16.00 Uhr schlossen. Meine Schwester fuhr also mit ihrem blauen Renault, in dem ihre neunjährige Tochter und ihr damaliger Freund saßen, los und holte meine Mutter zuhause ab. Dann machten sie sich auf den Weg zur Shoppingtour. Es war ein kalter Dezembertag, und es muss so gegen Mittag gewesen sein als die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen.

Meine Mutter hatte inzwischen schon ihre neuen Stiefel und ihre Jacke gekauft. Sie freute sich darüber und wie ich sie kenne, wollte sie auf dem schnellsten Weg nach hause. Sie fuhren Richtung Heimat als es anfing heftiger zu schneien. Die Straße führte durch einen Wald und links und rechts ragten die hohen Bäume in den Himmel. Die Straße war auch recht kurvenreich und da sahen sie, dass rechts ein Auto von der Fahrbahn abgekommen und in die Böschung gerutscht war. Der Fahrer stand etwas hilflos neben seinem Wagen. Meine Schwester hielt an und sie und ihr Freund stiegen die Böschung hinunter um dem Mann zu helfen. Meine Mutter und ihre Enkelin stiegen auch aus, stellten sich hinter den Renault und beobachteten das Ganze. Und vom Himmel fielen die Schneeflocken.

Ich weiß nicht was meine Mutter dachte, sagte oder tat – was meine Nichte dachte, sagte oder tat – in dem Augenblick als sie beide von dem Auto erfasst wurden, das plötzlich mit viel zu hoher Geschwindigkeit und mit für diese Jahreszeit völlig falscher Bereifung auftauchte. Ich glaube, sie hatten nicht mehr die Zeit zu denken, nicht mehr die Zeit auszuweichen. Sie wurden beide durch die Luft geschleudert. Meine Mutter soll sofort tot gewesen sein. Ihre neunjährige Enkelin starb dann in den Armen ihrer Mutter, meiner Schwester.

Meine Schwester – was sie dachte, fühlte, spürte in dem Moment, das weiß nur sie alleine. Niemand kann nachvollziehen was in ihr damals vorgegangen sein muss. Es war schrecklich.

Aber die Zeit verging, das Leben ging weiter. Und das Schicksal? Wer weiß schon, was es noch so alles an Überraschungen bereit hält.

Ich musste das jetzt schreiben, weil ich wieder mal wie so oft an diesen Tag gedacht habe. Weil ich es nie vergessen kann. Weil dieser Unfall damals auch mein Leben verändert hat. Damals fing ich an mein Leben zu leben. Mein Leben, und nicht das eines anderen. Ich entschied mich für mein Schicksal.

Euch da draußen wünsche ich einen schönen Tag..

B.S.

Samstag, 30. Oktober 2010

Gewitter auf der Seele

Gewitter auf der Seele,
grelle Blitze, Donnergrollen,
Sturm im Kopf und kalte Tränen,
Ohnmacht - keiner wird sie hören.

Stummer Schrei nach Ruhe,
Sehnsucht nach Geborgenheit,
versinken tief im Ozean,
im Meer der Emotionen.

Gewitter auf der Seele,
tote Sonne, dunkler Mond.
Wille, der nach Freiheit schreit,
und ein kleines Kind - das weint !

B.S. (1997)