Sonntag, 21. November 2010

Schicksal..

was ist das eigentlich? Schicksal ist das, was wir gerne dafür verantwortlich machen für das was in unserem Leben passiert. Verantwortlich für Dinge, die geschehen und auf die wir keinen Einfluss haben. Auf den ersten Blick betrachtet zumindest nicht. Bei längerer Überlegung ist Schicksal jedoch nichts anderes als das Ergebnis unserer Entscheidungen. Von Entscheidungen, die unser Leben manchmal von einem Moment auf den anderen in Richtungen laufen lassen, auf Wege mit Stolpersteinen und vielen Fallen die es zu überwinden gibt, und die uns oft vergessen lassen, wieso wir gerade diese Entscheidung gewählt haben. Und wenn wir merken, dass dieser Weg ganz anders verläuft als wir es uns erhofft haben, dann machen wir nicht uns, sondern das Schicksal dafür verantwortlich.

So war es auch damals am 3. Dezember 1988 das Schicksal – oder eben die Entscheidung meiner Schwester, gerade an diesem Tag nach Burgkunstadt zum Einkaufen zu fahren. Sie fuhr, weil sie unserer Mutter, die sich neue Stiefel und eine neue Winterjacke kaufen wollte, eine Freude machen wollte.

Sie fuhren ziemlich früh, so gegen 8.00 Uhr schon los. Es war langer Samstag. Damals bedeutete das, dass die Geschäfte erst um 16.00 Uhr schlossen. Meine Schwester fuhr also mit ihrem blauen Renault, in dem ihre neunjährige Tochter und ihr damaliger Freund saßen, los und holte meine Mutter zuhause ab. Dann machten sie sich auf den Weg zur Shoppingtour. Es war ein kalter Dezembertag, und es muss so gegen Mittag gewesen sein als die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen.

Meine Mutter hatte inzwischen schon ihre neuen Stiefel und ihre Jacke gekauft. Sie freute sich darüber und wie ich sie kenne, wollte sie auf dem schnellsten Weg nach hause. Sie fuhren Richtung Heimat als es anfing heftiger zu schneien. Die Straße führte durch einen Wald und links und rechts ragten die hohen Bäume in den Himmel. Die Straße war auch recht kurvenreich und da sahen sie, dass rechts ein Auto von der Fahrbahn abgekommen und in die Böschung gerutscht war. Der Fahrer stand etwas hilflos neben seinem Wagen. Meine Schwester hielt an und sie und ihr Freund stiegen die Böschung hinunter um dem Mann zu helfen. Meine Mutter und ihre Enkelin stiegen auch aus, stellten sich hinter den Renault und beobachteten das Ganze. Und vom Himmel fielen die Schneeflocken.

Ich weiß nicht was meine Mutter dachte, sagte oder tat – was meine Nichte dachte, sagte oder tat – in dem Augenblick als sie beide von dem Auto erfasst wurden, das plötzlich mit viel zu hoher Geschwindigkeit und mit für diese Jahreszeit völlig falscher Bereifung auftauchte. Ich glaube, sie hatten nicht mehr die Zeit zu denken, nicht mehr die Zeit auszuweichen. Sie wurden beide durch die Luft geschleudert. Meine Mutter soll sofort tot gewesen sein. Ihre neunjährige Enkelin starb dann in den Armen ihrer Mutter, meiner Schwester.

Meine Schwester – was sie dachte, fühlte, spürte in dem Moment, das weiß nur sie alleine. Niemand kann nachvollziehen was in ihr damals vorgegangen sein muss. Es war schrecklich.

Aber die Zeit verging, das Leben ging weiter. Und das Schicksal? Wer weiß schon, was es noch so alles an Überraschungen bereit hält.

Ich musste das jetzt schreiben, weil ich wieder mal wie so oft an diesen Tag gedacht habe. Weil ich es nie vergessen kann. Weil dieser Unfall damals auch mein Leben verändert hat. Damals fing ich an mein Leben zu leben. Mein Leben, und nicht das eines anderen. Ich entschied mich für mein Schicksal.

Euch da draußen wünsche ich einen schönen Tag..

B.S.

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