Freitag, 26. November 2010

Tage werden kürzer ..

Die Tage werden kürzer. Früher dauerte es länger bis ein neuer Morgen aufging. Jetzt rennen die Morgen, die Nachmittage und die Nächte an mir vorüber wie ein Film, der zu schnell abgespult wird. Woran liegt es eigentlich, dass der Spruch „Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit.“, den meine Oma immer zu sagen pflegte, so offensichtlich wahr zu sein scheint. Es scheint als würde die Zeit mit uns gemeinsam zerfallen. Hat jeder von uns seine eigene Zeit, die mit ihm durch sein beschissenes Leben geht, ihn begleitet und mit ihm zusammen müde wird und sich beeilt – weil sie endlich aufhören will jeden Tag das gleiche Spiel zu spielen? Oder rennen wir unserer Zeit hinterher weil wir denken, dass sie uns etwas vor enthält? So vieles gibt es da, was wir uns erträumten und darauf warteten dass es sich erfüllt, so viel ungelebtes was noch immer in uns schlummert und endlich Vergangenheit werden möchte. Die Zeit könnte anhalten und auf uns warten – das ist sie uns schuldig. Sie war es schließlich, die all die Jahre so unauffällig neben uns herschlenderte. Jetzt plötzlich scheint sie es eilig zu haben. Jetzt – da wir ihr nicht mehr hinterher rennen können weil unsere Reserven verbraucht sind, hat sie nichts Besseres zu tun als sich auszuklinken.

Mir ist das eigentlich scheißegal – man macht sich halt manchmal so seine Gedanken. Wie bin ich eigentlich darauf gekommen? Ach ja, weil die Tage kürzer werden und weil ich es satt habe dieser Sinnlosigkeit irgendetwas Positives abzugewinnen. Was macht eigentlich überhaupt Sinn? Mir fällt nichts ein. Es scheint eh alles von wem auch immer (wäre schon interessant) geplant zu sein. Warum sonst würden wir uns meistens verhalten wie die größten Arschlöcher? Wir tun immer wieder und wieder genau das was uns schadet. In manchen lichten Momenten erschrecken wir vor uns selber deswegen, und wundern uns, fragen nach dem Grund für diese Sinnlosigkeit. Erschrecken noch mehr – weil es immer offensichtlicher wird, dass es einfach so ist wie es ist und leben damit weiter. Leben – es gibt so viele Leben. Ungezählte, unauffällige, vergessene Leben. Ich kann sie manchmal spüren, kann ihren ausgehauchten, kalten Atem fühlen wenn er wie ein Windstoß über meine Haut fährt und um mich eine angenehme Gänsehaut erschauern lässt. Dann weiß ich, sie sind da und wollen uns an sich erinnern. Sie möchten nicht vergessen sein, so als hätte es sie nie gegeben – als hätten sie nie gelebt, niemals existiert. Ich denke oft an sie. Irgendwann, vielleicht bald – vielleicht erst später, werde ich bei ihnen sein und es wird sein als hätte es mich nie gegeben. Klingt irgendwie auch schon wieder ziemlich sinnlos.

Vielleicht ist auch alles ganz anders und es gibt eine Welt voller Gelebter, die dort ihrer eigentlichen Bestimmung, die sie nur dort und nirgendwo anders sonst erfahren, zugeführt werden. Eine Welt in der es Himmel und Hölle gibt und man sich anstrengt um in den Himmel zu kommen weil es dort angeblich viel angenehmer ist als in der Hölle. Hört sich nicht gut an. Ist nicht viel anders als die Welt vorher. Genau so sinnlos. Sinnlos ist auch, dass ich meine mir noch verbleibende Zeit damit vertrödele um über Sinn und Unsinn nachzudenken, anstatt sie einfach nur zu nutzen und etwas zu tun was mir Spaß macht. Aber es macht Spaß. Viel mehr Spaß als das was ich früher dachte, dass es mir gefällt. Momentan gefällt es mir, alleine vor dem Computer zu sitzen und das, was mir grad durch meinen an sich ziemlich schlicht mit Wissen und Weisheit ausgestattetem Schädel den Weg ins Gehirn suchende etwas festzuhalten und hier mit der Tastatur zu synchronisieren. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Ich geb’s auch besser auf, denn es wäre nicht auszuhalten wenn all das hier öffentlich gemacht wird…

B.S. (14.11.2007)

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